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Bluessong schreiben: 12-Takt-Schema, AAB-Text und Shuffle

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Einen Blues schreiben, Schritt für Schritt: das 12-taktige Schema mit A7, D7 und E7, der AAB-Text, Call and Response, Blue Notes, der Shuffle und ein eigenes Beispiel.

Ein älterer Musiker auf einer Holzveranda in der Abenddämmerung spielt eine abgenutzte Akustikgitarre mit einem gläsernen Bottleneck-Slide am Finger, neben ihm ein Glas und ein aufgeschlagenes Notizbuch auf einer Holzkiste, in warmem bernsteinfarbenem Licht

Um einen Bluessong zu schreiben, legst du deinen Text auf das 12-Takt-Schema: vier Takte auf der I. Stufe, zwei auf der IV., zwei auf der I., dann V, IV, I und V. In A sind das A7, D7 und E7. Jede Strophe hat drei Zeilen im AAB-Muster: eine Zeile, die das Problem benennt, dieselbe Zeile noch einmal und eine dritte, die darauf antwortet und sich auf die erste reimt. Sing jede Zeile etwa zwei Takte lang und lass die anderen zwei der Gitarre, die antwortet. Gib dem Ganzen einen Shuffle, stütz die Melodie auf die Moll-Pentatonik über diesen Dur-Akkorden und schließ jede Strophe mit einem Turnaround, der zurück an den Anfang führt. Dann schreib drei Strophen über ein einziges, konkretes Problem.

Hier findest du: das Schema Takt für Takt mit zwei Hörbeispielen (gerade und im Shuffle), die AAB-Strophe erklärt, Call and Response, Blue Notes, Turnarounds, Moll-Blues und 8-Takt-Blues, einen eigenen Bluestext mit Vorlage zum Kopieren und Loops zum Mitsingen im kostenlosen Akkordfolgen-Player.

Das 12-Takt-Blues-Schema, Takt für Takt

Der 12-taktige Blues gehört zu den verbreitetsten Akkordfolgen der populären Musik, und Rock ’n’ Roll, R&B und Jazz greifen ständig darauf zurück. Er besteht aus drei Akkorden, und jeder Block aus vier Takten trägt eine Textzeile:

TakteAkkordIn AIn EText
1–4I7A7E7Zeile A, dann die Antwort
5–6IV7D7A7Zeile A noch einmal
7–8I7A7E7Antwort
9–10V7, IV7E7, D7H7, A7Zeile B
11I7A7E7Antwort
12V7E7H7Turnaround zurück zum Anfang

Alle drei sind meist Dominantseptakkorde (A7 besteht aus A, Cis, E und G). Die Septime löst sich nie ganz auf, und genau diese leicht raue, offene Farbe ist der Klang des Blues; die Akkordarten erklären, wie Septakkorde gebaut sind. Auf der Gitarre sind A und E die bequemsten Tonarten, weil sich alle drei Akkorde mit Leersaiten greifen lassen. Achtung beim Notieren: Die V. Stufe in E heißt im Deutschen H7, nicht B7.

12-Takt-Blues, gerade · A7–D7–E7 · 104 BPM

Worauf du achten kannst: Das ist ein synthetisiertes Lehrbeispiel mit geschlagener Gitarre und Rock-Drums. Nach dem Einzähler (0:00–0:02) bleibt A7 vier Takte lang stehen. D7 kommt bei etwa 0:11 und die Musik hebt sich, A7 kehrt bei etwa 0:16 zurück, E7 setzt bei etwa 0:20 als stärkster Schub ein, D7 folgt bei 0:23, A7 bei 0:25, und das E7 bei 0:27 ist der Turnaround, der dich zurück zu Takt 1 schicken würde. Zähl die Takte beim Hören laut mit: Wenn du Takt 9 kommen spürst, ohne zu zählen, sitzt das Schema. Hör auch auf die Hi-Hat: Sie schlägt genau in der Mitte zwischen den Schlägen. Das ist ein gerades Feeling, und genau das ändert das zweite Beispiel.

Eine sehr verbreitete Variante ist der Quick Change („quick to four“): Du gehst in Takt 2 auf die IV. Stufe und in Takt 3 zurück auf die I. (A7, D7, A7, A7, D7, D7 …). Das bricht den langen Anfang auf einem einzigen Akkord auf. Vergleich beide im Player: die klassischen 12 Takte und den Quick Change. Der Player hat außerdem die Vorlage „12-Takt-Blues“, falls du lieber selbst die Tonart wählst.

Bluestext schreiben: die AAB-Strophe

Eine Bluesstrophe sind drei Zeilen über die 12 Takte: eine Zeile über die ersten vier Takte, dieselbe Zeile über die nächsten vier und eine abschließende Zeile über die letzten vier. Jede hat ihre Aufgabe:

  • Zeile A benennt das Problem als Bild, nicht als Gefühl. „Mein Zug fällt aus“ sagt mehr als „mir geht’s schlecht“.
  • Die wiederholte Zeile A sagt es noch einmal, oft mit einer kleinen Änderung: ein „Ja,“ davor oder ein ausgetauschtes Wort. Die Wiederholung gibt dem Publikum Zeit, es zu fühlen, und in der Tradition des Improvisierens gab sie dem Sänger Zeit, sich die Antwort auszudenken.
  • Zeile B ist die Antwort: der Grund, der Witz, die Wendung oder die Entscheidung. Sie reimt sich mit dem letzten Wort von Zeile A und sitzt meist härter.
A:  Mein Zug um sieben fällt schon wieder aus, Gleis drei ist leer
A:  Ja, mein Zug um sieben fällt schon wieder aus, Gleis drei ist leer
B:  Die Anzeige sagt nur „Störung“, ich glaub, sie glaubt sich selbst nicht mehr

Vier Regeln, damit es funktioniert:

  1. Beende Zeile A auf einem Wort mit Reimen, die du wirklich sagen würdest. „Leer“ öffnet mehr, schwer, her, Verkehr; das Reimlexikon liefert dir mehr nach Klang, und Reimen im Songtext erklärt unreine Reime.
  2. Zeile B bringt etwas Neues. Wiederholt sie nur die Stimmung, hat die Strophe keine Pointe.
  3. Zeilen, die man sprechen kann: etwa 10 bis 15 Silben, damit du sie in zwei Takten singst, ohne zu hetzen.
  4. Eine Strophe, ein Bild. Drei Strophen erzählen eine Geschichte: das Problem, es wird schlimmer, eine Wendung.

Call and Response: Lass der Gitarre Platz

Im Blues reden Stimme und Instrument miteinander. Die Stimme ruft etwa in den ersten zwei Takten jeder viertaktigen Zeile, und Gitarre, Mundharmonika oder Klavier antworten in der Lücke mit einer kurzen Phrase, einem Fill. Dieses Ruf-und-Antwort-Muster stammt aus afrikanischen und afroamerikanischen Musiktraditionen, und deshalb braucht ein Bluestext weniger Wörter, als du denkst.

Schreib die Lücken in den Text:

  1. Beende jede Zeile früh. Wenn die Wörter in Takt 3 rutschen, streich eins.
  2. Markier die Antwort: Schreib „(Gitarre)“ oder „(Antwort)“ ans Ende jeder Zeile, damit du die Lücke nicht vergisst.
  3. Wenn du spielst, antworte mit zwei bis fünf Tönen aus der Tonleiter im nächsten Abschnitt und hör dann auf. Wenn nicht, summ die Antwort, klatsch sie oder lass die Stille stehen: Jemand aus der Band füllt sie später.
  4. Nimm einen Durchgang mit gesummten Antworten im kostenlosen Online-Diktiergerät auf. Wenn du die Lücken hörst, merkst du, ob die Zeilen zu lang sind.

Blue Notes und die Moll-Pentatonik über Dur-Akkorden

Die Melodie eines Blues reibt sich oft absichtlich an den Akkorden. Die A-Moll-Pentatonik (A, C, D, E, G) ist die klassische Quelle, gesungen und gespielt über dur-klingende Akkorde wie A7. Das C der Tonleiter reibt sich am Cis im Akkord, und Bluessänger und -gitarristen entscheiden sich nicht: Sie ziehen oder gleiten das C Richtung Cis und lassen den Ton dazwischen stehen. Dieser gebogene, „besorgte“ Ton ist eine Blue Note. Die drei klassischen sind die erniedrigte Terz, Quinte und Septime, und wenn du der Moll-Pentatonik die verminderte Quinte (Es in A) hinzufügst, hast du die A-Blues-Tonleiter.

Was sie über jedem Akkord macht:

AkkordAkkordtöneWas die A-Moll-Pentatonik macht
A7A, Cis, E, GC reibt sich am Cis: zieh es, das ist die Blue-Note-Terz
D7D, Fis, A, CC ist die Septime des Akkords: Es klingt zu Hause
E7E, Gis, H, DG reibt sich am Gis: die Spannung vor dem Turnaround

Du brauchst keine Theorie dafür. Sing die Melodie in einem kleinen Umfang, etwa fünf Töne, nah daran, wie du die Zeile sprechen würdest. Schleif dich von knapp unten in die langen Töne hinein und lass die Terz gleiten, statt sie genau zu treffen. Die Seite zur A-Moll-Pentatonik spielt die Tonleiter vor, und Tonleitern fürs Songwriting zeigt, wie du aus fünf Tönen eine Melodie baust.

Der Shuffle: das Lang-kurz-Feeling des Blues

Viele Blues werden nicht gerade gespielt, sondern im Shuffle: Jeder Schlag wird in drei geteilt, und die Achtel gehen lang-kurz, „daa-da, daa-da“. Spiel dieselben 12 Takte im Shuffle, und der Song swingt, ohne dass sich ein Akkord ändert.

12-Takt-Blues, Boogie-Shuffle · A7–D7–E7 · 96 BPM

Worauf du achten kannst: dasselbe Schema, langsamer und geswingt, als synthetisiertes Lehrbeispiel. Nach dem Einzähler (0:00–0:02) pendelt die tiefe Gitarre ab 0:02 in jedem Takt zwischen zwei Griffen, Grundton und Quinte, dann Grundton und Sexte (A–E, A–Fis über A7): die klassische Boogie-Figur. D7 kommt bei 0:12, A7 kehrt bei 0:17 zurück, E7 bei 0:22, D7 bei 0:25, A7 bei 0:27, und das E7 bei 0:30 ist der Turnaround. Hör jetzt auf die Hi-Hat: Sie schlägt nicht mehr in der Mitte zwischen den Schlägen, sondern später, auf dem letzten Drittel jedes Schlags. Tipp mit dem Fuß und sag „eins-Tri-ole, zwei-Tri-ole“: Gitarre und Hi-Hat landen auf „eins“ und auf „-ole“. Hör es direkt nach dem geraden Beispiel, dann hörst du, was der Shuffle hinzufügt.

Zum Üben stell das Metronom im Tempo deines Songs auf 6/8: Es klickt dreimal pro Schlag. Sing die lange Silbe auf den ersten Klick und die kurze auf den dritten, den mittleren lässt du aus. Das ist das Raster des Shuffles. Probier deinen Song danach bei 70, 96 und 120 BPM: Dieselben Wörter klingen erst schwer, dann entspannt, dann drängend. Was ist BPM erklärt die Zahlen.

Der Turnaround: Wie jede Strophe zum Anfang zurückfindet

Ein Turnaround ist die Passage am Ende eines Teils, die in den nächsten führt. Im 12-Takt-Blues liegt er in den letzten Takten und endet auf der V. Stufe (E7 in A), die das Ohr zurück zum A7 der nächsten Strophe zieht. Im Shuffle-Beispiel hörst du ihn bei 0:30.

Drei Arten, ihn im Song zu nutzen:

  • Lass Zeile B bis Takt 11 enden und gib Takt 12 dem Instrument: Der Sänger atmet, während das E7 die nächste Strophe vorbereitet.
  • Beginn die nächste Zeile A schon in Takt 12 mit einem Auftaktwort wie „Und“ oder „Na“, damit die Strophe schon in Bewegung ankommt.
  • In der letzten Strophe bleibst du in Takt 12 auf A7, statt zu E7 zu gehen. Ohne die V. Stufe hält der Song an, und das Publikum hört das Ende.

Moll-Blues und 8-Takt-Blues

Nicht jeder Blues besteht aus 12 Takten in Dur. Zwei weitere Formen lohnen sich, bevor du dich entscheidest:

FormAkkorde in ACharakterAnhören
12 Takte in MollAm7 ×4, Dm7 ×2, Am7 ×2, F7, E7, Am7, E7Dunkler, langsam und schwerBei 72 BPM
8 TakteA7, E7, D7, D7, A7, E7, A7, E7Kürzer, Richtung Ballade oder GospelBei 92 BPM

Der Moll-Blues ersetzt die I. und IV. Stufe durch Moll-Septakkorde und nutzt in den Takten 9 und 10 ♭VI7 und V7 (F7 und E7 in a-Moll). „The Thrill Is Gone“, 1951 von Roy Hawkins und Rick Darnell geschrieben und 1969 ein Hit für B.B. King, ist ein bekannter langsamer Blues in Moll. In diesem Loop spielt der Player statt F7 einen einfachen F-Dur-Akkord, was zum Darübersingen reicht.

Der 8-Takt-Blues geht sofort, schon in Takt 2, auf die V. Stufe. „Key to the Highway“ folgt dem Schema aus der Tabelle. Mit nur acht Takten besteht der Text meist aus zwei Zeilen zu je vier Takten oder aus einer Zeile und einem kurzen Refrain.

Bluesthemen jenseits der Klischees

Blues ist nicht nur Traurigkeit. Die Texte handelten schon immer von Arbeit, Reisen, Geld und Liebe, die schiefgeht, und sie konnten auch witzig und frivol sein. Was einen neuen Blues versenkt, ist die geborgte Phrase: Das Publikum hat sie so oft gehört, dass sie kein Bild mehr zeigt.

KlischeeWarum es nicht trägtVersuch stattdessen
„Heut Morgen wachte ich auf …“Tausende Songs beginnen soDie genaue Uhrzeit und ein Gegenstand: „Viertel nach sechs, der Kaffee ist kalt“
„Mein Baby hat mich verlassen“Kein Detail, keine PersonWas hat sie dagelassen?
Die Kreuzung, der Teufel, der WhiskeyDas Mississippi von jemand anderem, in den 1930ernDeine eigene Kreuzung: ein Busbahnhof, ein Jobangebot, ein Familienchat
„Ich hab den Blues“Benennt das Genre, nicht das ProblemBenenn das Problem: die Miete, die Nachtschicht, ein Handy mit 1 % Akku

Humor funktioniert besonders gut. Ein Blues, der sich todernst über eine Kleinigkeit beschwert, hat den Raum schnell auf seiner Seite. Wenn du lieber über einen echten Verlust schreibst, geht ein trauriges Lied schreiben tiefer in diesen Ton.

Beispiel für einen Bluestext: „Bahnsteig-Blues“

Für diesen Artikel geschrieben, in A, als Shuffle bei 96 BPM, auf die klassischen 12 Takte. Die Akkorde stehen über den Wörtern, wo sie wechseln; „(Antwort)“ markiert die Lücke für die Gitarre.

Strophe 1
A7
Mein Zug um sieben fällt schon wieder aus, Gleis drei ist leer   (Antwort)
D7                                                     A7
Ja, mein Zug um sieben fällt schon wieder aus, Gleis drei ist leer   (Antwort)
E7                          D7                        A7   E7
Die Anzeige sagt nur „Störung“, ich glaub, sie glaubt sich selbst nicht mehr

Strophe 2
Ich schreib dem Chef: „Bin gleich da“ – das war vor einer Stunde   (Antwort)
Ja, ich schreib dem Chef: „Bin gleich da“ – das war vor einer Stunde   (Antwort)
Er schreibt zurück: „Steh auf Gleis vier“ – und zählt mit mir jede Sekunde

Solo: 12 Takte für Gitarre, Mundharmonika oder gesummt

Strophe 3
Jetzt sitzen wir zu zweit am Kiosk, trinken Kaffee aus Papier   (Antwort)
Jetzt sitzen wir am Kiosk, Chef und ich, mit Kaffee aus Papier   (Antwort)
Die beste Teambesprechung seit Jahren hatten wir genau hier

Warum es funktioniert:

  • Jede Strophe ist ein Bild, das man sieht: das leere Gleis, die Anzeige, zwei Pappbecher am Kiosk.
  • Die zweite Zeile A ändert sich immer ein wenig („Ja,“ davor, „zu zweit“ wird zu „Chef und ich“), damit die Wiederholung lebendig bleibt.
  • Zeile B trägt die Pointe und den Reim: leer/mehr, Stunde/Sekunde, Papier/hier.
  • Die Geschichte dreht sich. Strophe 3 klagt nicht weiter: Der Ausfall bringt Chef und Angestellten an denselben Kiosk, und die letzte Zeile ist ein Witz.
  • Der Titel benennt die Situation, wie viele Bluestitel, und muss deshalb nicht gesungen werden.

Vorlage: Schreib deinen Blues in 20 Minuten

Kopier das, füll die Lücken und sing es über den Loop unten.

Titel: __________-Blues     Tonart: A    Tempo: 90–100 BPM, Shuffle

Das Problem (eine einzige konkrete Sache): __________________

Strophe 1 – das Problem
A  (Takte 1–4, A7):        ______________________________ (Antwort)
A  (Takte 5–8, D7 → A7):   dieselbe Zeile, ein Wort anders ___ (Antwort)
B  (Takte 9–12, E7 → D7 → A7 → E7): die Wendung, reimt sich auf A ____

Strophe 2 – es wird schlimmer (ein neues Detail, ein neuer Reim)
Solo – 12 Takte, Instrument oder gesummt
Strophe 3 – die Wendung (ein Witz, eine Entscheidung, ein Ausweg)
Letzter Takt: auf A7 bleiben, um zu enden

Schritte:

  1. Such dir das Problem in zwei Minuten aus. Klein und genau schlägt groß und vage.
  2. Schreib zuerst Zeile B von Strophe 1, dann die Zeile A, auf die sie antwortet. Die Pointe bestimmt den Anlauf.
  3. Prüf, ob Zeile A auf einem Wort mit leichten Reimen endet.
  4. Starte den Loop, sing Zeile A zwei Takte lang und summ zwei Takte lang die Antwort. Pass die Wörter an, bis sie sitzen.
  5. Schreib Strophe 2 und 3 genauso und nimm dann einen kompletten Durchgang auf.

Der Player spielt gerade Achtel, keinen Shuffle. Sing trotzdem mit dem Lang-kurz-Feeling oder lass das Metronom in 6/8 nebenher laufen. Für den ganzen Song hat der Songstruktur-Planer eine Form „12-taktiger Blues“: Intro, Strophen, eine Solo-Strophe und ein Outro, mit der Dauer in deinem Tempo. Bei 96 BPM dauert jede 12-taktige Strophe 30 Sekunden, vier Strophen mit kurzem Intro und Outro kommen also auf etwa 2:20.

Wo du Blues hören kannst: vom Mississippi bis Hamburg

Hör auf die Form, die Lücken und die Turnarounds, nie, um Zeilen zu übernehmen. Der Delta-Blues, mit Robert Johnson als bekanntestem Namen, ist eine Stimme und eine Akustikgitarre, oft mit Slide gespielt. Der Chicago-Blues, verbunden mit Muddy Waters, wurde mit voller Band elektrisch. In Deutschland gilt Abi Wallenstein, der seit Mitte der 1960er in Hamburg lebt, als Vater der Hamburger Bluesszene, und der Wuppertaler Gitarrist Henrik Freischlader steht für Bluesrock aus Deutschland; sein erstes Album hieß „The Blues“ (2006). Such dir eine Aufnahme aus, zähl ihre Takte und markier, wo das Instrument der Stimme antwortet. Dann schreib deine eigenen Wörter in dieselbe Form. Wenn dich der Blues zu lauteren Gitarren zieht, macht einen Rocksong schreiben dort weiter, wo die 12 Takte aufhören, und einen Song auf der Gitarre schreiben erklärt Anschlag und erste Akkorde.

Häufige Fehler und wie du sie behebst

  • Drei Zeilen mit denselben Wörtern. Zeile B muss neu sein: die Antwort, nicht das Echo.
  • Kein Platz für die Antwort. Wenn du alle vier Takte durchsingst, streich Wörter, bis zwei frei sind.
  • Sich in den 12 Takten verlieren. Zähl mit dem Player laut mit oder schreib die Taktnummern über den Text.
  • Ein Text aus Floskeln. Ersetz jede durch einen Gegenstand, eine Uhrzeit oder einen Ort.
  • Die Tonleiter steif singen. Zieh und gleite die Terz: Die Blue Note wohnt zwischen den Tasten.
  • Auf dem Turnaround enden. In der letzten Strophe bleibst du auf der I. Stufe, damit der Song aufhört.

Wo Zoundroom passt: Strophen, Antworten und Aufnahmen in einem Projekt

Zoundroom erzeugt kein Audio, hat keine virtuellen Instrumente oder Beats und ist nicht der Ort, an dem du den fertigen Track mischst und masterst; das macht eine DAW wie GarageBand oder BandLab. Ein Stimmgerät hat die App auch nicht, für eine offene Slide-Stimmung nimmst du also das kostenlose Online-Stimmgerät dieser Website. Was Zoundroom tut: einen Blues zusammenhalten, während er von einer einzelnen Zeile zum Song wird, denn jeder Song ist ein Projekt mit seinen Aufnahmen, Texten, Notizen und Dateien. Leg eine Notiz „Bahnsteig-Blues“ an, schreib Tonart, Tempo und die drei AAB-Zeilen hinein und nimm die Gitarrenantwort oder eine gesummte Melodie direkt in dieser Notiz auf, sodass das Audio an der Cursorposition landet, gleich hinter der Zeile, auf die es antwortet. Importier die Probenaufnahme ins selbe Projekt und teil es mit allen, die mit dir spielen: Free erlaubt das Teilen mit bis zu zwei Artists, Pro mit bis zu vier und bringt Kommentare mit Zeitmarke (wer kommentiert, braucht selbst Pro oder Band), damit jemand aus der Band die genaue Sekunde markieren kann, an der der Turnaround schleppt, und der Band-Tarif deckt bis zu sieben Mitglieder mit einem Abo ab. Es ist dasselbe Konto auf iOS, Android und im Web, und die Web-App nimmt auch im Browser auf. Auralis, der Assistent der App, kann dir ein Wortfeld für Zeile B oder eine dritte Strophe als Text vorschlagen, nie als Audio. Dein nächster Schritt: Schreib heute Abend Strophe 1 und nimm sie mit gesummten Antworten in ihrer Notiz auf.

Häufige Fragen

Wie ist ein Bluestext aufgebaut?

Im AAB-Muster: eine Zeile, die das Problem benennt, dieselbe Zeile noch einmal (oft leicht verändert) und eine dritte, die antwortet und sich auf die erste reimt. Jede Zeile nimmt vier der 12 Takte ein, etwa zwei gesungen und zwei für das Instrument.

Welche Akkorde hat ein 12-Takt-Blues?

Drei Dominantseptakkorde: I7, IV7 und V7. In A sind das A7, D7 und E7, in E sind es E7, A7 und H7. Die Reihenfolge: vier Takte I, zwei Takte IV, zwei Takte I, dann V, IV, I und V.

Kann ich einen Blues schreiben, ohne Gitarre zu spielen?

Ja. Lass die 12 Takte im Akkordfolgen-Player als Loop laufen, schreib eine AAB-Strophe über ein konkretes Problem, sing sie darüber und summ die Antworten in die Lücken. Nimm diesen Durchgang auf: Ein Gitarrist kann den Song damit lernen.

Was ist der Unterschied zwischen 12-Takt- und 8-Takt-Blues?

Der 12-Takt-Blues hat drei Zeilen zu je vier Takten (AAB). Der 8-Takt-Blues ist kürzer und geht schon in Takt 2 auf die V. Stufe, daher trägt er meist zwei Zeilen pro Strophe. Beide nutzen dieselben drei Akkorde.

Muss ein Blues traurig sein?

Nein. Bluestexte handeln von Arbeit, Geld, Reisen und Liebe, und viele sind witzig. Ein kleines Problem, todernst gesungen, wirkt oft stärker als eine große Tragödie.

Quellen

Alle Seiten abgerufen am 2. Oktober 2026.

  • Wikipedia (englisch), „Twelve-bar blues“: die Folge I–I–I–I / IV–IV / I–I / V–IV–I–V, der Quick Change (IV in Takt 2), der Moll-Blues mit ♭VI7–V7 und die Varianten mit 8 und 16 Takten. wikipedia.org
  • Wikipedia (englisch), „Blues“: der AAB-Text in drei viertaktigen Zeilen, Call and Response aus afrikanischen und afroamerikanischen Traditionen, Blue Notes, Shuffle und Walking Bass, humorvolle und frivole Texte, die Entstehung im tiefen Süden der USA um die 1860er, Delta-Blues (Robert Johnson) und Chicago-Blues (Muddy Waters). wikipedia.org
  • Wikipedia (englisch), „Blue note“: erniedrigte Terz, Quinte und Septime; gezogene Töne und Zwischentöne; Blues-Tonleitern über Dur-Akkordfolgen. wikipedia.org
  • Wikipedia (englisch), „Shuffle rhythm“: Lang-kurz-Paare auf Triolenbasis, verbunden mit Blues und Boogie-Woogie. wikipedia.org
  • Wikipedia (englisch), „Turnaround (music)“: die Passage am Ende eines Teils, die in den nächsten führt; im Blues endet sie auf V7. wikipedia.org
  • Wikipedia (englisch), „Eight-bar blues“: das Schema I7–V7–IV7–IV7–I7–V7–I7–V7 von „Key to the Highway“ und der Wechsel zur V. Stufe in Takt 2. wikipedia.org
  • Wikipedia (englisch), „The Thrill Is Gone“: langsamer Blues in Moll von Roy Hawkins und Rick Darnell (1951), 1969 von B.B. King aufgenommen. wikipedia.org
  • Wikipedia, „Abi Wallenstein“: Bluesmusiker, seit Mitte der 1960er in Hamburg, „Vater der Hamburger Bluesszene“. wikipedia.org
  • Wikipedia (englisch), „Henrik Freischlader“: Bluesgitarrist aus Wuppertal, erstes Album „The Blues“ (2006). wikipedia.org